Maelzer für Chancenjahr statt ABC-Klassen

ildungsstudien bestätigten zuletzt immer wieder, dass viele Grundschülerinnen und Grundschüler in Nordrhein-Westfalen nur schlecht lesen, schreiben und rechnen können. Das Land will darauf mit neuen Sprachkursen reagieren, die ab 2028 starten sollen. „Richtiger Befund, falscher Ansatz“, meint Dr. Dennis Maelzer, SPD-Landtagsabgeordneter aus Detmold. Der Bildungspolitiker hat einen weitergehenden Vorschlag.

„Das Konzept der Landesregierung greift viel zu kurz“, sagt Maelzer. „Erst zieht das Land Kinder aus der Kita heraus, dann müssen die lippischen Kommunen Fahrten organisieren, damit sie zwei Mal pro Woche zur Grundschule gebracht werden.“

Kita-Kinder, die nicht gut Deutsch sprechen, sollen künftig zweimal pro Woche je zwei Stunden an Sprachkursen in so genannten ABC-Klassen teilnehmen. Dazu sollen die Kinder in der Kita abgeholt und zur nächstgelegenen Grundschule gefahren werden.

„Das bläht das System auf, macht es bürokratischer und frisst am Ende Zeit und Geld“, findet Maelzer. „Förderung muss im vertrauten Umfeld stattfinden. Dafür brauchen wir mehr Fachkräfte und mehr Mittel in den Kitas selbst. Grundschullehrkräfte, die wegen Lehrermangel ohnehin am Limit arbeiten, weiter zu belasten, läuft völlig in die falsche Richtung.“

Der SPD-Politiker kritisiert das Konzept als „schlechte Kopie“ eines echten „Chancenjahres“. Maelzer schwebt vor, die Sprachförderung in den Kitas weiter zu verbessern und im letzten Jahr vor der Einschulung noch einmal zu intensivieren. Viele Grundschulen seien schon jetzt voll. Gleichzeitig verschärfe das Land mit den Plänen für ein neues Kita-Gesetz den Fachkräftemangel in den Einrichtungen. So produziere man immer mehr betroffene Kinder.

Statt neuer Parallelstrukturen fordert der SPD-Politiker ein verbindliches Chancenjahr, das den Entwicklungsstand der Kinder breiter prüft und Kita, Jugendhilfe und Schule enger verzahnt. „Die Wissenschaft zeigt eindeutig, dass alltagsintegrierte Sprachförderung bessere Ergebnisse erzielt, als es einzelne Sprachkurse können. Dafür brauchen Kitas ausreichend Geld und Raum, statt neuer Sonderstrukturen“, ist Maelzer überzeugt.

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